Christian Lindner, Norbert Lammert, Johannes Rau – schon viele Spitzenpolitiker besuchten den Sophienhammer. Ein ranghoher Vertreter der Linken war jedoch noch nicht nach Müschede gekommen – bis gestern: Jutta Krellmann MdB der Fraktion Die Linke aus Hildesheim hatte im Februar eine Einladung angenommen die im Plenum des Bundestages ausgesprochene Einladung des heimischen FDP- Abgeordneten Carl-Julius Cronenberg angenommen, sein Familienunternehmen im Sauerland zu besuchen.

Hintergrund war eine kontrovers geführte Debatte zum Arbeitszeitgesetz. „Dabei liegen die Interessen vielleicht gar nicht so weit auseinander, wie man auf den ersten Blick vermuten würde“, vermutet Cronenberg. „Wir wollen alle effektive Missbrauchsbekämpfung. Sozial- oder Lohndumping durch wenige schwarze Schafe schadet unseren ehrlichen kleinen und mittleren Unternehmen genauso wie den betroffenen Arbeitnehmern. Was für diese Armuts- und Gesundheitsrisiken mit sich bringt, bedeutet für jene unfaire Wettbewerbsbedingungen, lästige Dokumentationspflichten und unnötige Bürokratie.“
„Ihre arbeitspolitischen Positionen teile ich aber trotzdem nicht“, schmunzelte Jutta Krellmann in Hinblick auf Arbeitnehmerüberlassung und Befristung.
„… was auch niemand erwartet“, antwortet der FDP-Politiker, „aber die heimischen Unternehmen brauchen Instrumente um flexibel auf die schwankende Nachfrage der Kunden im internationalen Wettbewerb reagieren zu können.“ Außerdem sei die Arbeitnehmerüberlassung oder anfängliche Befristung für viele Arbeitslose die Chance im ersten Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen.

So wurde die Bundestagsdebatte in den Werkshallen der Fa. Cronenberg ein Stück weit fortgesetzt, bevor sich Frau Krellmann als ehemalige Gewerkschaftssekretärin mit den Betriebsräten des Sophienhammers zusammensetzte – selbstverständlich ohne den Firmenchef, der das Unternehmen in 10. Generation gemeinsam mit seinem Vetter Wilm-Hendric Cronenberg führt.

Ungewöhnlich auch die anschließende Betriebsbesichtigung: statt Märkte und Maschinen standen diesmal Unternehmenskultur, Betriebsklima und Menschen im Mittelpunkt des Rundgangs, an dem von der Partei „Die Linke“ auch Werner Ruhnert und Reinhard Prange aus Brilon teilnahmen.
Zum Abschied schenkte Carlo Cronenberg Jutta Krellmann eine Sense der Marke Teufelskerl.